Eigentlich möchte ich schon lange mal wieder bloggen, aber wie es zur Zeit eben ist (und wohl auch noch in der Zukunft sein wird), hat es einfach nicht geklappt. So brodelte und brodelte es in mir und ich kam nicht dazu mich hinzusetzen um ein paar Zeilen zu schreiben – um endlich mal zu sagen, was mir auf der Zunge liegt.

Jetzt endlich: Muss es einfach raus.

Die Geschichte, die ich erzählen möchte, begann vor ein paar Wochen als meine Kinderärztin keine Sprechzeiten hatte und ich mit meinem “kranken” Kind zur Untersuchung musste. Ich schreibe “krank” in Anführungszeichen, weil ich mein Kind krank und gesund kenne und der Husten, den wir von der Kita aus untersuchen lassen sollten, einfach nur ein stinknormaler Winterzeit-Rotzschnodder-Kitakind-Husten war und ansonsten alles paletti war: Kind schlief, aß und war putzmunter.

Der Vertretungsdoktor diagnostizierte allerdings eine Bronchitis und sagte mein Kind könne eine Woche nicht in die Kita gehen. Da stand ich nun mit meinem Abgabetermin für die Hausarbeit im Rücken und fluchte auf die Gesamtsituation, aber ändern konnte ich auch nichts, denn ohne Gesundheitsattest vom Arzt konnte ich mein Kind nicht zur Betreuung geben.

Aus dem Ärger-Kloß im meinem Hals wurde innerhalb kürzester Zeit ein wütendes Ungeheuer und so kam es, dass ich ein paar Tage später mit meinem “kranken” Kind bei meiner HNO-Ärztin saß. Sofort sagte sie mir, dass sie zu der angeblichen Bronchitis meines Kindes sowieso nichts sagen kann, weil sie ja nicht abhört, aber wenn ich doch sowieso zuhause bin, kann mein Kind doch auch mit mir zuhause bleiben.

Mir blieb die Spucke weg. Ich brachte noch irgendwie heraus, dass das nicht so einfach ist für eine Studentin, die zuhause arbeiten muss, was mit Kleinkind, das sich nicht selbst beschäftigen kann, irgendwie nicht geht. Eigentlich hätte ich dieser Frau noch zu viel mehr sagen wollen: Wenn Sie krank sind, so richtig krank, möchten Sie dann a) mit einem 1-jährigen Kind spielen b) dieses Kind tragen, weil das Kind Nähe brauch c) dafür sorgen, dass dieses Kind mindestens eine gesunde, gekochte Mahlzeit sowieso mehrere Zwischenmahlzeiten zu sich nimmt d) den Töpfchengang, sowie diverse Windelwechsel erledigen? Woher kommt Ihre Annahme, dass ich zuhause nichts weiter zu tun habe, außer mich um mein Kind zu kümmern? Wie lang ist die Aufgabenliste immer noch, wenn ich versuche nur das Nötigste zu machen, damit ich meine Krankheit nicht verschlimmere? Wie können Sie als erwerbstätige Frau und Mutter überhaupt die These aufstellen, dass eine Frau, die aufgrund einer Krankheit nicht ihrer Erwerbsarbeit nachgehen kann, dann auch ohne Probleme auf das Kleinkind aufpassen kann, dass dann gar keine Betreuung für das Kind nötig wäre?

Diese HNO-Ärztin verschrieb uns beiden “eine Woche Ruhe: Zuhause”. Draußen hätten wir bei dem Wetter sowieso nichts verloren (Wer macht denn den Einkauf? Wer bringt die Stinkewindeln runter?). Meine Kinderärztin schrieb keine 24 Stunden später mein Kind gesund und ich konnte es wieder in die Betreuung geben.

Ich kann mir nicht vorstellen, welche Annahmen, Erfahrungen und Meinungen eine Frau dazu bewegen so gedankenlos einen Satz zu schwingen, der sich für mich als Empfangende wie ein Henkersschwert anfühlte. Ich versuche mich in andere Positionen zu denken: Vielleicht hat sie angenommen ich hätte einen Mann zuhause, der bei der Kinderbetreuung hilft, aber selbst dann: Sie kennt doch die Tatsache, dass Frauen den Großteil der Care-Arbeit leisten. Sie muss doch trotzdem davon ausgehen, dass ich dann fast den ganzen Tag krank alleine mit meinem Kind wäre.

Heute wurde ich von der nächsten Gedankenlosigkeit so tief ergriffen, dass ich diesen Post schreiben musste, um dem Frust mal Luft zu machen. Folgender Chatverlauf ereignete sich mit einem flüchtigen Bekannten, den ich das letzte Mal noch vor meiner Schwangerschaft gesehen hatte:

“Wie geht’s dir? Bist mit dem Kind beschäftigt nehme ich mal an.”

“Ja genau. Vor allem alleinerziehend zu sein…..”

“Ja, schon schwierig, aber bekommst du doch bestimmt gut hin. Wenn du mal Zeit hast können wir uns ja mal verabreden und Kaffee trinken gehen.”

Ich war sprachlos. Ich war ratlos. Was antworte ich darauf?

Was meinst du damit, wenn du sagst “Ich bekomme es gut hin”? Woher weißt du, dass ich es gut hinbekomme? Wie kommst du zu der Bewertung “gut”? Das sind die ersten Sätze, die wir beide seit Jahren wechseln und vorher waren wir nicht mal gute Freunde.  Hast du mal darüber nachgedacht, dass wenn ich alleine ein Kind versorgen muss, Zeit zum Kaffee trinken vielleicht am wenigsten da ist?

Ich schrieb nichts davon, sondern nur, dass es mir so scheint als hätte er sich noch nicht damit beschäftigt, was es bedeutet alleinerziehend zu sein.

Er antwortete: Natürlich kennt er andere alleinerziehenden Mütter (AHA?!) und weiß schon, was das heißt und natürlich hat er es nicht böse gemeint.

Ich erkläre also. Ich schlage ihm vor, er solle das Gedankenspiel wagen und sich vorstellen, was alles nicht möglich wäre, müsste er sich 24/7/365 alleine um ein Kind kümmern. Ich erkläre weiter, dass ich einfach gar keine andere Wahl habe als es hinzubekommen, weil wenn ich es nicht mache, niemand anders da ist, der es macht. Ich erkläre außerdem, dass ein Treffen zum Kaffee trinken für mich vielleicht nicht so einfach möglich ist.

Er zeigt sich verständnisvoll: Natürlich kann ich nicht so spontan sein, aber mal so ein Stündchen in den Park – jetzt wo das Wetter besser wird.

Ich bin wieder ratlos, was ich antworten soll. Bin ich zu streng? Bevor ich plötzlich alleine mit meinem Baby war, habe ich mich auch nie mit der Situation von Alleinerziehenden beschäftigt. Andererseits bin ich schon schockiert darüber wie schnell mein Anliegen des sichtbar Werdens mit einer anspruchsvollen Lebenssituation weggewischt wird.

Wie würdet ihr, meine Leser_innen, mit so einer Situation umgehen?

(Jetzt muss ich aber wirklich den Abwasch machen gehen…)

Eigentlich dachte ich nicht, dass so ein einfacher Vorgang wie das Kaufen eines Ärmellätzchens für mein Kind der Rede oder gar des Schreibens wert ist, doch nun ist es so:

 

Generell hat sich als ich mein erstes Kind bekam eine neue Welt für mich eröffnet, denn ich erlebte zum ersten Mal mit erwachsenen Augen, was wohl jedem neuen Menschen widerfährt: “Ist es ein Junge oder ein Mädchen?”

Ich wollte kein Mädchen bekommen und nun verstehe ich warum: Ich habe mich nie damit identifiziert, was in meinem Umfeld und meiner Familie einer Frau zugeschrieben wird. Ich wollte gerne im Dreck spielen – egal, ob ich mein feines Kleid oder meine Sachen anhatte, die dreckig werden durfte. Ich wollte so vieles, aber von mir wurde klar erwartet, dass ich nur die angeblich “weiblichen” Dinge tue, sage, erlebe und reproduziere. Das ließ mich oft in dem Glauben zurück, irgendetwas muss mit mir einfach nicht stimmen.

Wenn man Kinderklamotten kaufen möchte, hat man zwei Wahlmöglichkeiten: rosa oder blau, Jungen- oder Mädchenabteilung. Das nervt mich jedes Mal schon so sehr, dass ich am liebsten umdrehen möchte.

 

In einem Geschäft wallte schon fast einen Moment Freude in mir auf als ich etwas grünes zwischen den Ärmellätzchen hervorblitzen sah, doch diese Freude wurde schnell im Keim erstickt:

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Ich ging also mit leeren Händen nach Hause, denn etwas für mich, gibt es nicht. Das Gefühlt bleibt: Alle anderen Familien sind damit zufrieden rosa oder blau zur Auswahl zu haben. Alle anderen Familien haben eine Mama und einen Papa. Nur ich nicht. Stimmt etwas mit mir nicht?

Ich möchte mir hiermit laut entgegenrufen: NEIN! Glaub das bloß nicht!

Es wird wohl nicht von heute auf morgen passieren, aber ich muss einfach daran glauben, dass es irgendwann keine binäre Welt mehr gibt, dass irgendwann alle Kinder in erster Linie als Menschen behandelt werden und nicht als Jungen oder Mädchen. Ich muss daran glauben, dass Sexismus und Hetze gegen den Genderwahn nichts mir “Werten” zu tun hat und meinem Kind den Mut und die Kraft geben das eigene Selbst zu leben – egal ob es in diese binäre Deklination passt oder nicht.

Ich bin gerne genderwahnsinnig.

Anscheinend bin ich die Ausnahme.

Mir wurde heute, am dritten Eingewöhnungstag für meine acht Monate alte Tochter in der Kindertagesstätte, von einer Kita-Leiterin in Aussicht gestellt, dass eventuell eine Ausnahme gemacht werden könnte, was die Betreuungszeiten meiner eben genannten Tochter betrifft.

“Was ist da eigentlich passiert?” rumort es in meinem Kopf.

Die Kindertagesstätte, die ich nun heute zum dritten Mal an drei aufeinanderfolgenden Tagen für je eine Stunde mit meinem Kind besucht habe, war meine sogenannte “Wunsch-Kita”. Mittlerweile ist sie nur noch der letzte Ort, den ich besuchen möchte.

Damals, vor wenigen Wochen, war es als ob ich einen 6er im Lotto hatte, als ich erfuhr, dass mir dort ein Betreuungsplatz für mein Kind angeboten wird, denn ich empfand genau diese Kita als diejenige in der ich mir vorstellen konnte, dass mein Kind sich wohl fühlt. Hinzu kam noch, dass ich von allen anderen Einrichtungen die Information bekam, dass ich wohl noch ein weiteres komplettes Jahr auf einen freien Platz warten müsste, was für mich bestenfalls eine wahnsinnige Vorstellung war, schlimmstenfalls der blanke Horror, denn ein komplettes Jahr mein Studium aussetzen, ist und war für mich nicht vorstellbar. Dazu später mehr.

Gestern, also lange nachdem ich einen Betreuungsvertrag unterschrieben hatte, wurde mir mal so nebenbei mittgeteilt, dass Kinder, die denselben Betreuungsumfang wie meine Tochter haben, nämlich bis zu fünf Stunden täglich, “Mittagskinder” sind. Das bedeutet, dass sie um 11:30 Uhr vor dem Mittagsschlaf wieder abgeholt werden, denn sonst verbringen sie nach Meinung und Konzept der Kita “zu viel Zeit zum schlafen” in der Gruppe und können die Angebote nicht genug oder zu wenig nutzen. Dass meine Tochter nie länger als 30 Minuten Mittagsschlaf hält, auch wenn eine Zeit von ca. zwei Stunden dafür im Betreuungsalltag eingeplant ist, scheint nicht weiter von Belang zu sein. Dass meine Tochter ein Bewegungsmuffel ist und sich kein Stück selbst fortbewegt, also an keinem “pädagogischen Angebot” von sich aus teilnehmen kann, ist außerdem ebenfalls nicht von Belang. Dass ich wohl die einzige Ausnahme bin, deren Arbeitszeiten nicht ohne weiteres von den vorgesehenen Betreuungsstunden der Kita bestimmt werden, ist noch die geringste Absurdität an der ganzen Geschichte, denn nur so nebenbei die Öffnungszeiten der Kindertagesstätte sind an Werktagen von 06:00 bis 18:00 Uhr und jetzt komme ich zu dem eigentlichen Knackpunkt: Ist nicht genau diese Information, dass gewünscht wird, dass meine Tochter ihre maximal fünf Stunden täglich bis spätestens 11:30 Uhr in der Gruppe verbringt die allerwichtigste Information, die direkt im ersten Gespräch erfolgen sollte? Ja und nein, denn sowohl der Kita-Leitung als auch allen anderen Beteiligten ist klar: Niemand kann mir vorschreiben, wann ich mein Kind betreuen lasse, solange ich die bewilligten Stunden nicht überschreite.

Genau da fängt mein Zorn, meine Wut und meine Hilflosigkeit an! Anscheinend erinnere ich mich falsch daran, dass ich auf dem Bewerbungsbogen bereits angegeben habe, dass ich eine Betreuung ab neun Uhr wünsche und somit nicht vor dem Mittagsschlaf wieder zur Abholung da sein kann, denn da sitze ich in meinem Seminar an der Universität. Anscheinend kann man aber wiederum unter den drei Personen der Kita-Leitung mal darüber reden, ob man für mich eine Ausnahme machen kann. Ist denen das eigentlich nicht peinlich? Mir wäre es peinlich, hätte ich so einen Bockmist gebaut.

So, das ist also passiert, aber jetzt kommt die Verzweiflung: Was tun? Dieses komische “Kommunikationsproblem” ist nämlich nicht das erste dieser Art – leider nur das gravierendste und ich fühle keinerlei Vertrauen, Wohlwollen oder Bereitschaft mein Kind weiter in diese Einrichtung zu bringen, aber es gibt keine Alternative. Meine Seminare sind belegt und mein Studium geht weiter und jetzt ist es halt zu spät um vielleicht doch noch ein Urlaubssemester einzulegen oder nach anderen Betreuungsmöglichkeiten zu suchen.

Apropos Urlaubssemester: Was für die einen “Vereinbarkeit von Studium und Kind” heißt, ist für mich der letzte Funken Identität als Alleinerziehende mit einem Säugling. Ich gebe ganz offen zu: Ich habe nicht nur davon geträumt, dass ich mal wieder gerne ein Seminar von Anfang bis Ende ohne Schreien oder Baby auf dem Schoß verbringen würde, wenn mein Kind in der Kita ist, sondern sogar davon geträumt mal noch schnell ohne Kind und Kegel einkaufen gehen zu können oder dass irgendwo vielleicht mal ein Stündchen für z.B. ein Hobby, wie Sport, für mich abfallen könnte. Jetzt gerade scheint es so als ob diese kleinen Wünsche noch viele Monate in die Zukunft gerückt sind.

 

Und nun? Gelegentlich weine ich, dann muss ich schallend lachen. Also einfach irgendetwas zwischen Verzweiflung und Wahnsinn.

Gestern – gegen Abend – stieg ich mit meinem Baby in eine S-Bahn Richtung Berliner Osten. Die S-Bahn war wahnsinnig voll, weil wohl mal wieder irgendsoein Fußballspiel war und ich stand somit mit meinem Kinderwagen mitten im Gang – schon zu diesem Zeitpunkt war ich müde und ausgelaugt, weil meine kleine Tochter die Schnauze voll hatte und viel vor Müdigkeit geweint hatte, aber nun waren wir endlich auf dem Heimweg! Juche!

Als dann die Musikanten mit ihrem portablen Wiedergabegerät und den Trompeten einstiegen, ernteten sie sofort einen bösen Blick von mir, denn ich befürchtete, sie würden mit ihrem “Hit the road, Jack!”-Gedudel mein Baby zum weinen bringen. Ein paar Meter weiter sprachst Du einen dieser einsteigenden Typen blöd von der Seite an, er solle 100 Meter weiter gehen, aber schnell! Das fand ich zwar etwas direkt, aber verstand ich noch irgendwie: Selbst ohne Kind gehen mir diese Typen auf den Wecker.

Natürlich dauerte es nicht lange und meine Tochter fing wieder an zu schreien wie am Spieß; also stand ich mit ihr im Arm neben meinem Kinderwagen, streichelte sie und lies sie ihren Unmut Kund tun, denn ich hatte für heute aufgegeben sie in dem Großstadttrubel zu beruhigen und freute mich darauf mit ihr zurück zu Hause zu sein, wo sie zur Ruhe kommen konnte. Ich versuchte ihren Protest mit Fassung zu tragen und mich von den blöden Blicken nicht aus dem Konzept bringen zu lassen: Dass Du meine Tochter mit ihrem Gebrüll nicht bemerktest oder Dich dafür nicht interessiert hast, konnte ich ja nicht ahnen, denn die Aufmerksamkeit aller anderer hatte ich zu diesem Zeitpunkt defintiv.

Nicht sehr viel später kam ein kleiner Mann vorbei und fragte die S-Bahn-Passanten nach einem Euro. Das war wohl – warum auch immer – der Tropfen der Dein Fass zum Überlaufen brachte. Du begannst zu schreien und auf den bettelnden Mann zu springen, die Faust zum Schlag bereit. Ich schaffte es gerade so, mich und meine Tochter in eine Ecke zu drängen. Der bettelnde Mann wurde in Richtung (oder vielleicht sogar auf? Es passierte so schnell.) eines etwa 12-jährigen Mädchens geschleudert, das auch vom dem Fußballspiel kam, von dem Du auch auf dem nach Hause Weg warst. Einige Männer versuchten Dich zurückzuhalten, während Du dem bettelnden Mann, der sich an mir vorbei flüchtete, nachgehechtet bist und rassistische und menschenverachtende Beleidigungen schriest. Dann begann ich zu schreien wie eine Furie, dass hier ein Baby ist und ob Du es wohl nicht siehst. Meine Tochter schrie wie am Spieß mit hochrotem Kopf. Doch Dich, Arschloch, interessierte das nicht! Eine andere Frau schrie ebenfalls los und teilte Dir noch mals mit, dass hier ein Baby ist. Mit Gewalt rissen Dich die anderen Männer zurück zu Deinem Platz. Der Bettler war ans andere Ende des Wagons geflüchtet.

Erst jetzt bemerkte ich, dass Du nur auf Stress aus warst – egal mit wem oder aus welchem Grund, denn von Deinem Platz aus, provozierstes Du die Frau, die in mein Gebrüll mit eingestiegen ist, weiter und fragtest sie was sie denn zu gucken hätte! Dann warfst du noch deine Bierflasche an die Scheibe neben dem das 12-jährige Mädchen stand, DU ARSCHLOCH!

Heute kann ich es immer noch nicht fassen wie hasserfüllt und rücksichtslos Du mit deiner Umwelt umgehst, denn das in diesem Trubel nichts schlimmeres passiert ist, hat nur mit Glück zu tun, denn Du wolltest um jeden Preis jemanden Deine Gewalt spüren lassen und hast damit allen Anwesenden – vor allem den Kindern – Angst gemacht und einen bleibenden Schrecken eingejagt. Noch jetzt versuche ich mich, meine Seele, nicht von diesem Hass anstecken zu lassen, denn ich würde lügen, würde ich sagen, ich habe nicht den Wunsch meine Verachtung gewaltvoll an dir auszulassen!

Nach dem Blogeintrag von mutterseelesonnig möchte ich nun auch meinen #Muttertagswunsch loswerden.

Erst dachte ich: meine Tochter ist doch noch so klein (3 Monate) – da fällt mir gar nichts ein, was ich als Alleinerziehende brauche statt Blumen, Pralinen und Frühstück ans Bett, doch je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir ein:Meinen ersten Wunsch habe ich schon auf Twitter gelesen (https://twitter.com/Szal_Ona_Lenka/status/727786915957747712). Wie oft habe ich schon gehört: “Hast du dir selbst eingebrockt.” oder gar “Tja, hab ich dir doch vorher gesagt, dass es mit diesem Mann nichts wird.” und wahrscheinlich denken die meisten Sprecher dieser Aussagen nicht einmal darüber nach, was sie da so von sich geben und wie frustrierend das für mich als Empfänger dieser Botschaft ist.

Außerdem dachte ich: Eigentlich habe ich doch gar nichts worüber ich mich beschweren kann. Ich besuche eine soziale Hochschule, die sich aktiv für Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie einsetzt, eine Kinderbetreuung für Kinder ab 6 Monaten und für Betreuung innerhalb der Ferien eingerichtet hat und Kinder und Babys gehören mit zum Hochschulalltag. Außerdem wohne ich in einem familienfreundlichen Bezirk mit jede Menge Angeboten für groß und klein und jede Menge Kitas, doch dass diese Kita-Plätze nicht für alle Kinder reichen, bringt mich jetzt schon ins Schwitzen. Die meisten Kitas nehmen nämlich die Sprösslinge ab einem Jahr an und meine Tochter wird im Januar ein Jahr alt und dass meist erst wieder Plätze im August/September frei werden, weil dann die Großen eingeschult werden, lässt Schweißperlen auf meiner Stirn zurück. Es könnte durchaus sein, dass ich bis September 2017 auf einen Kita-Platz warte. Das kann doch nicht sein!

Ähnlich sieht es auch mit den heißbegehrten Kinderbetreuungsplätzen an meiner Hochschule aus: Auch wenn ich ab nächstem Semester ein bis zwei Betreuungszeiten für meine Seminarbesuche bekomme, habe ich dann noch keine einzige Minute “kinderfrei” für das Lernen zuhause und dass überhaupt eine Hochschule mit studentischen Beschäftigten die Lücke schließen muss, die durch fehlende Kita-Plätze entsteht! Das kann doch nun wirklich nicht sein!

Ich wünsche mir also ganz konkret eine Familienpolitik, die darauf ausgerichtet ist Betreuungsangebote für alle Kinder zu ermöglichen. Egal wie groß oder klein! Ob es nun Kita-Plätze oder Betreuungsplätze für Schulkinder während Ferien sind. Ich wünsche mir, dass die gesellschaftliche Akzeptanz jeglicher Familienform voranschreitet und Kinder kein Hindernis, sondern ein selbstverständlicher Teil unseres Lebens werden!

“Ährm, nein, also halt nur kurz”, hab ich darauf dann halt gelogen, weil es mir doch irgendwie peinlich war und ich mich nicht getraut habe die Wahrheit zu sagen und jetzt sitze ich hier und ärgere mich, warum ich es denn nicht einfach gesagt habe wie es ist:

“Ja, ich habe die ganze Woche nicht geduscht, weil ich alleine mit meinem Baby war und das bedeutet, dass ich null Komma gar keine Zeit für mich selbst habe!”

Das wäre mal ein Statement gewesen! Nicht, weil es meinem Gesprächspartner irgendetwas gebracht hätte oder irgendetwas an meiner übel riechenden Situation geändert hätte – einfach nur, weil ich nun mal in einer absoluten Ausnahmesituation bin, die es wohl so nicht gibt und vorgesehen ist diese Situation ja sowieso nicht und wissen will davon auch niemand was und meistens – so wie jetzt – sitze ich da und ärgere mich in meinem stillen Kämmerchen darüber, aber ändern tut sich deswegen nichts und deswegen muss es nun einfach mal raus:

Ich bin alleinerziehend. Ich bin alleine mit meinem drei Monate alten Baby. Ich bin nicht mit dem Baby alleine bis mein Mann von der Arbeit kommt, sondern ich bin ALLEINE. Punkt. Mein Baby hat auch keinen Wochenend-Papa. Mein Baby hat zwar einen Papa – sonst hätte das mit den Bienchen und Blümchen nicht geklappt, aber dieser Papa ist nicht da, kann nicht, will nicht, will vielleicht schon, aber ändern tut das nix: Ich bin alleine.

Wenn ich dann hier so sitze und zwar total erschöpft bin, aber eben nur körperlich und psychisch, aber mein Denkapparat noch auf Hochtouren läuft, weil so ein Baby halt Hilfe für alles braucht, aber keine intellektuellen Gespräche mit mir führt, dann versuche ich drüber nachzudenken wie man (also in diesem Falle ich) das mit diesem abwesenden Kindesvater sozialverträglich in Worte fassen kann, aber so richtig was eingefallen ist mir dazu noch nichts außer vielleicht eine Abhandlung, in der ich mich über alles und jeden und überhaupt diese Gesellschaft und am Ende nur über mich selbst ärgere.

Also noch mal: Ich bin alleine mit meinem Baby und das war auch nicht so vorgesehen, weil wir wollten beide dieses Kind, aber jetzt ist es nun mal so und das ist scheiße anstrengend. Es macht auf eine Art müde, die mich Ohnmacht fühlen lässt, denn ich will das Beste für mein Kind und ich weiß, dass ich alles dafür tue um meiner Tochter eine sichere, gewaltfreie und behütete Umgebung für Wachstum zu bieten und das ist wahrscheinlich schon als Elternpaar eine Meisterleistung und ich erbringe dies alleine und mir wird Angst und Bange, wenn ich mir vorstelle, was wäre, wenn ich einmal nicht kann und am Ende meiner Kräfte bin, denn meine Tochter hat nur mich.

Sozialverträglicher wird es heute nicht mehr.

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